KI-Influencer
KI-Influencer in der Content-Produktion
KI-Influencer finden wir vorrangig in Social Networks, da diese Plattformen einen hohen Marketing- und Freizeitfokus haben, sehr reichweitenstark, persönlichkeitsbezogen und zunehmend einflussreich sind. Wer das genauer verorten will, dem empfehle ich einen Blick aufs Social Media Prisma (Ethority 2024). Es bricht unterschiedliche Social Media Anwendungen in Kategorien auf – so wird LinkedIn etwa den Business Networks bzw. Professional Networks zugeordnet, Instagram, Facebook oder TikTok hingegen zählen zu den Social Networks. Warum macht es Sinn, sich mit diesem Thema zu befassen? Social Networks wie Instagram und Tiktok haben in der Gen Z hohe Suchmaschinenrelevanz.
Was ist Influencer Marketing?
- Influencer empfehlen Produkte und Dienstleistungen auf Social Media Plattformen
- indem sie (möglichst) anspruchsvolle Inhalte über Marken und Produkte durch Tutorials, Produktbewertungen, kreative Produktinszenierungen in Videos oder geposteten Bildern erstellen.
Ihren Ursprung haben sie in den 2000er Jahren: Damals erstellten abenteuerlustige User neuartigen Content – die Inhalte waren spontan, die Erfahrungen kamen aus erster Hand. Der Content wurde authentischer, glaubwürdiger und vertrauenswürdiger empfunden als die mit Misstrauen belegten traditionellen Werbeformen. Ziel des Influencer Marketings ist es, Engagement zu generieren (auch durch User Generated Content), Markenbotschaften zu verbreiten und eine starke Bindung zum Publikum aufzubauen. Influencer sind längst fest etablierte Akteure in den interaktiven Marketingstrategien von Marken.
vgl. Audrezet & Koles (2023): 353 ff.; De Brito Silva, M. J. et al. (2022)
Virtuelle bzw. KI-Influencer
- KI-Influencer sind nicht menschlich, also von Algorithmen und KI-Systemen gesteuert
- Voraussetzung: spezifisches technisches Fachwissen und KI-basierte Fähigkeiten
- hinter virtuellen Influencern wirken hochqualifizierter Fachleute, die die Auswirkungen überwachen und schnell reagieren
- menschliche Influencer sind zunächst mit dem Aufbau ihrer Follower-Basis beschäftigt, um überhaupt „relevant“ zu werden, während virtuelle Influencer oft von Unternehmen bzw. deren Digitalagenturen erschaffen werden und von Beginn an ein klares Markenziel und eine klare Positionierung verfolgen
Hier finden Sie ein Verzeichnis etablierter und aufstrebender virtueller Influencer. Übrigens: Lu do Magalu gilt mit über 8 Mio. Followern als die erfolgreichste virtuelle Influencerin. Ursprünglich vom brasilianischem Einzelhandelsunternehmen Magazine Luiza entwickelt, teilte sie anfangs Tipps zu den verkauften Produkten. Heute gilt sie als brasilianische Ikone und hat Kultstatus.
Vorteile
- skalierbar & konsistent: Virtuelle Influencer arbeiten zeitlich und räumlich flexibel, altern nicht und machen keine menschlichen Fehler. Die Unternehmen können Botschaften kontinuierlich platzieren und ihre Reichweite skalieren.
- anpassungsfähig: Mit virtuellen Influencern lässt sich schnell auf Veränderungen im Markt reagieren, Trends erkennen und Inhalte anpassen.
- messbar: Leistung und Wirkung
- global einsetzbar: Virtuelle Influencer können mühelos in verschiedenen Sprachen und Kulturen auftreten.
- innovativ wirkend: Durch den Einsatz virtueller Influencer können sich Unternehmen als Vorreiter in der Branche positionieren.
Nachteile
- weniger authentisch, kreativ und empathisch: KI-Influencer sind nicht menschlich und dadurch noch nicht in der Lage, bestimmte Gefühle zu vermitteln.
- technisch anspruchsvoll: KI-Influencer erfordern technisches Knowhow und Ressourcen für Softwareentwicklung und Datenverarbeitung – für kleinere Unternehmen kann das durchaus herausfordernd sein. Außerdem verlassen sich Unternehmen auf Technologie und Algorithmen, um ihre Marketingziele zu erreichen und auch das kann Probleme mit sich bringen.
- fehleranfällig: Fehlprogrammierungen und falsche Interpretation von Daten können unvorhergesehene Verhaltensweise hervorrufen, die wiederum Missverständnisse und Irritation des Publikum mit sich bringen können.
- ethisch schwierig: Es besteht die Gefahr, User und Rezipient:innen zu täuschen, wenn ihr virtueller Status nicht transparent kommuniziert wird.
Ein weiterer Trend ist, virtuelle Influencer direkt als Mitarbeitende ans Unternehmen zu binden, statt sie nur für einzelne Produkte werben zu lassen. Sie gewähren einen Blick hinter die Kulissen und werben dadurch gleichzeitig fürs Produkt und für das Unternehmen als Arbeitgeber.
Quellen
Angelone, R. (2023): Blogger- und Influencer-Marketing in der Praxis. Springer Gabler, Wiesbaden.
Audrezet, A., Koles, B. (2023): Virtual Influencer as a Brand Avatar in Interactive Marketing. In: Wang, C. L. (Hrsg.): The Palgrave Handbook of Interactive Marketing. Palgrave Macmillan, Cham.
Borchers, N. S., Enke, N. (2022): Influencer und Meinungsführer als Herausforderung für die Unternehmenskommunikation. In: Zerfaß, A., Piwinger, M., Röttger, U. (Hrsg.): Handbuch Unternehmenskommunikation. Springer Gabler, Wiesbaden.
De Brito Silva, M. J., de Oliveira Ramos Delfino, L., Alves Cerqueira, K. et al. (2022): Avatar Marketing: A Study on the Engagement and Authenticity of Virtual Influencers on Instagram. Social Network Analysis and Mining.
Höckel, H. (2021): MindsetMatching in Social Media mittels KI. In: Terstiege, M. (Hrsg.): KI in Marketing & Sales – Erfolgsmodelle aus Forschung und Praxis. Springer Gabler, Wiesbaden.
Jahnke, M. (2021): Influencer Marketing. Für Unternehmen und Influencer: Strategien, Plattformen, Instrumente, rechtlicher Rahmen. 2. Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden.
Johne, J. (2023): Effectiveness of Influencer Marketing. Springer Gabler, Wiesbaden.
Liu, S., Aw, E., Tan, G., Ooi, KB. (2023): Virtual Influencers as the Next Generation of Influencer Marketing: Identifying Antecedents and Consequences. In: Al-Sharafi, M. A., Al-Emran, M., Tan, G., Ooi, KB. (Hrsg.): Current and Future Trends on Intelligent Technology Adoption. Studies in Computational Intelligence. Springer, Cham.
Martínez-López, F. J., Li, Y., Young, S. M. (2022): Social Media Strategy Design. In: Social Media Monetization. Future of Business and Finance. Springer, Cham.
Mörk, O. (2023): Die neue Generation der Influencer: vom Nano-Influencer bis hin zum virtuellen Avatar. In: Mörk, O., Proaktive Marketing- und Vertriebs-Impulse. Springer Gabler, Wiesbaden.
Neubert, H. (2023): Social Media Trends 2024. OMR Reviews. Online verfügbar unter: https://omr.com/de/reviews/contenthub/social-media-trends-2024
Oczko, I. (2024): KI und Social Media: So nutzt du KI im Social-Media-Management. OMR Reviews. Online verfügbar unter: https://omr.com/de/reviews/contenthub/ki-social-media
Shen, Z. (2024): Shall Brands Create Their Own Virtual Influencers? A Comprehensive Study of 33 Virtual Influencers on Instagram. Humanities & Social Sciences Communications.
Van Looy, A. (2022): Social Media Management. Using Social Media as a Business Instrument. Springer, Cham.
Sie möchten mehr erfahren?
Kontaktieren Sie mich gern. Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen.
